Blockchain

Zukunft des Rechnungswesens – Teil 3: „Gesprengte Ketten“ – Die doppelte Buchhaltung ist tot, lang lebe die Blockchain.

Auf diesen Artikel habe ich mich besonders gefreut.

Zwar sind die beiden vorab beschriebenen Megatrends Cloud Computing und Künstliche Intelligenz schon weiter fortgeschritten: 

Zukunft des Rechnungswesens – TEIL 1: „Heiter bis wolkig!“ – Wie die Cloud der neue Standard im Finanz- und Rechnungswesen wird.

Zukunft des Rechnungswesens –  TEIL 2:  „Wo sind den alle?“ – Wie künstliche Intelligenz unsere Arbeit erledigt und Unternehmen besser macht.

doch die Blockchain Technologie gleicht einer Revolution, die der Erfindung des Internets gleich kommt.

Die Möglichkeiten sind einfach gigantisch. Zugegeben klingt alles noch sehr abstrakt, aber ich werde versuchen etwas Klarheit hineinzubringen.

Der mögliche Einfluss der Blockchain-Technologie

Die Blockchain kann einen Einfluss auf unsere Arbeitswelt haben wie heute das weltweite Internet. Viele Arbeitsplätze, auch in gut ausgebildeten Berufen wie Notare, Rechtsanwälte oder Wirtschaftsprüfer würden hinfällig.  

Staaten könnten die Steuererhebung sicher machen und Steuerhinterziehung über die Grenzen hinweg einen Riegel vorschieben (z.B. das Umsatzsteuer-Karussell).

Mit Hilfe dieser Technologie können Transaktionen in Echtzeit erfasst, nachverfolgt und nicht mehr nachträglich verändert werden.

Nicht nur bekannte Kryptowährungen, wie „Bitcoin“ oder die von Facebook geplante „Libra“, sondern auch alle Formen von materiellen oder immateriellen Rechteerwerben wären hierüber sicher abzuwickeln.

Hierzu drei einfache Beispiele, die den Anwendungsbereich der Blockchain verdeutlichen können:

Beispiel 1 - Autoleasing

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen oder leasen ein neues Elektro-Auto  bei einem Autohändler Ihrer Wahl und fahren 10 Minuten später mit neuen Nummernschildern, Versicherung und Tankkarte für die Elektrosäule nach Hause. Der Führerschein wurde überprüft, der staatliche Kaufzuschuss gewährt, der Stromliefer- und Leasingvertrag abgeschlossen. Die Sonderleasingzahlung und Anmeldegebühren wurden schon von Ihrem Konto abgebucht.

Eine Utopie?

Beispiel 2 - Immobilienkauf

Sie sehen sich am Wochenende eine Wohnung an, die Ihnen gefällt. Der Verkauf erfolgt über ein Online-Bieterverfahren. Bieten darf nur, wer die nötige Bankfreigabe hat. Die Bank gleicht bei jedem Gebot ab, ob der Bieter noch über genügend Liquidität verfügt. Sowohl Eigenmittel als auch in Echtzeit berechnete Kreditzusage, inklusive der vom Kunden akzeptierten Konditionen, der Bank.

Sie haben Glück und erhalten den Zuschlag für die Wohnung. Der Kreditvertrag ist mit dem akzeptieren Zins- und Tilgungsfaktor abgeschlossen. Der lästige Gang zum Notar entfällt und damit auch die Kosten. Die Wohnung wird Ihnen nach Zuschlag und Zahlung sofort übertragen. Sie müssen nur noch am Nachmittag den Schlüssel abholen (oder erhalten den PIN zur Öffnung der Haustür per Email).

Beispiel 3 - Die Blockchain im Unternehmenseinsatz

Stellen Sie sich vor Sie sind ein weltweiter Versandhändler für Designermöbel. Ihr einziger Vertriebskanal ist der Onlineverkauf. Sie haben keine eigenen Produkte, die Möbel werden weltweit direkt vom Hersteller versendet.

Die Blockchain würde es Ihnen ermöglichen innerhalb von Sekunden, die Bestellungen und Zahlungen abzuwickeln. Losgelöst davon, wo auf der Welt der Kunde oder der Hersteller sitzt.

Nach erfolgreicher Zahlung kann die Bestellung beim Hersteller ausgelöst werden, der wiederum die notwendigen Informationen an die Spedition weitergibt, die wiederum entsprechende Containerkapazitäten reserviert und die Lieferpapiere und Zollanmeldungen ausstellt.

Alle notwendigen Daten sind für alle Akteure einsehbar. Der Kunde kann so z.B. den Herstell- und/oder Lieferstatus in Echtzeit sehen und überprüfen.

Diese 3 Beispiele verdeutlichen was mit der Blockchain-Technologie möglich wäre und welche revolutionäre Kraft hierhinter steckt.

Obwohl im Moment viel über die Künstliche Intelligenz als Gefahr für unsere Arbeitsplätze gesprochen wird, so ist die Blockchain doch mindestens genauso, wenn nicht sogar noch einflussreicher.

Siehe hierzu auch:

Die Zukunft ist rosig? Wie Cloud, KI und Blockchain den Beruf des Buchhalters, Steuerberaters und Controllers auslöscht.

Aber wie funktioniert die Blockchain-Technologie eigentlich?

Zugegeben die Blockchain-Technologie ist eine recht komplexe Materie.

Daher empfehle ich anbei ein kurzes Erklärvideo zum generellen Thema Blockchain, dass ich persönlich sehr gut finde:

Das für alle verfügbare „Hauptbuch“

Möglich werden die 3 Beispiele oben und alle anderen Anwendungsfelder über ein sogenanntes „distributed Ledger“.

Also ein einziges „Hauptbuch“, dass die Informationen (Daten) in Blöcken speichert und über alle involvierten Parteien teilt. Für jeden Finance-Verantwortlichen wird somit sofort klar, wie sich das Rechnungswesen in der Zukunft verändern wird.Die „doppelte Buchführung“ wird mit der Blockchain zu einer „multivariablen Buchführung“.

Geschützt werden diese Daten über den „Hash“, eine Art digitaler Fingerabdruck, der sicherstellt, dass die Daten nicht verändert wurden und den vorherigen „Hash“ als Absicherung.

Ein Block enthält also:

  • Daten
  • den Hash
  • und den vorherigen Hash

Die Daten in unserem Beispiel 3 könnten z.B. sein:

  • Versandhändler
  • Kunde
  • Hersteller
  • Artikelnummer
  • Lieferadresse
  • Verkaufspreis
  • Versandart
  • Versandkosten

Sobald eine Änderung stattfindet, handelt es sich nicht mehr um denselben Block.

Etwa wenn der Hersteller die Liefermenge ändert oder den Status von „bestellt“ auf „Versandfertig“ ändert. Da diese Blöcke aber zusammenhängen, ergibt sich auch die Erklärung für den Namen „Blockchain“. Die Verkettung erfolgt über den „vorherigen Hash“.

Natürlich kann man die Rechte für die einzelnen Akteure innerhalb einer Transaktion einschränken, so sieht z.B. der Kunde nicht, den Preis denn der Versandhändler zahlt.

Was sind also die großen Vorteile der Blockchain-Technologie?

Die Vorteile der Blockchain auf den Punkt gebracht:

1. Schnelligkeit

Transaktionen sind mit Hilfe einer Blockchain in Sekunden und Minuten abwickelbar und benötigen keine langwierigen Abstimmungsarbeiten. Die agierenden Parteien teilen sich ein „Ledger“ und doppelte Datenerfassung entfällt.

Die Übertragung von Nutzungs- und Eigentumsrechten werden so ohne den Gang zum Notar oder Rechtsanwalt möglich.

2. Kosteneinsparung

Wo doppelte Erfassung entfällt, da gibt es auch ein erhebliches Kosteneinsparungspotenzial.

Da sämtliche Informationen elektronisch vorliegen, wäre selbst eine Verbuchung der Geschäftsvorfälle nach unterschiedlichen Rechnungslegungszwecken (Handelsrecht, Steuerrecht, IFRS, US-GAAP, ect.) kein Problem mehr.

Die oftmals schwierige (und manchmal teure) Informationsbeschaffung, z.B. für

  • Bonitätsprüfungen
  • Klärung von Eigentumsrechten
  • Sicherungsbeziehungen
  • Zinssätze die bestimmten Geschäften unterliegen (man nehme z.B. Leasinggeschäfte nach IFRS 16),

könnten von der Bank im Rahmen des „distriguted Ledgers“ geteilt und entsprechend verarbeitet werden.

3. Effizienz

Zudem führt die Blockchain zu einer erheblichen Effizienz.

So besteht die Notwendigkeit von Vermittlern im Grunde gar nicht mehr. Der Versandhändler in unserem Beispiel 3 wird in Zukunft nicht mehr benötigt, da der Hersteller selbst in der Lage wäre die gesamte Transaktion abzuwickeln.

Der Effizienzgewinn wäre der Gewinnanteil, der ansonsten dem Versandhändler zufällt.

4. Hohe Sicherheit

Der Hash ermöglicht ein hohes Maß an Sicherheit, der ansonsten nur durch Einsatz von Risikomanagement-Prozessen zu gewährleisten wäre. So z.B. ein „Vier-Augen-Prinzip“ oder den Einsatz von „Kontrollen“ jeglicher Art.

Das Risikomanagement im Unternehmen reduziert sich durch die Blockchain-Technologie auf ein Minimum.

Wer muss noch die Echtheit von Rechnungen und die Richtigkeit von Bankverbindungen überprüfen, wenn dies schon hinreichend sicher ist?

Freigabeprozesse würden überflüssig, da die Verkettung der Bestellung bis zur Lieferung bereits verifiziert würde.

5. Überprüfbarkeit

Auch wenn der „Bitcoin“ oftmals als anonymes und daher von allerlei „dunklen Gestalten“ geschätztes Zahlungsmittel gilt, so kann die Blockchain-Technologie auch so ausgestaltet werden, dass alle Akteure (Vertragspartner) bekannt sind. Hierbei spricht man oft von einer „privat blockchain“.

Da sämtliche Daten in einen „distributed ledger“ festgehalten werden, ist eine Überprüfung im Rahmen von gesetzlichen oder vertraglichen Prüfungen ein leichtes.

Dies ist auch der Grund, warum sich überprüfende Berufe wie Wirtschaftsprüfer, Steuerprüfer, Rechtsanwälte und Notare gänzlich verändern werden, wenn sich die Blockchain Technologie durchgesetzt hat.

Wie ist der Status der Blockchain-Technologie ?

Ohne Frage das derzeit bestimmtesten Feld der Blockchain sind nach wie vor die „Kryptowährungen“. Dieses Anwendungsfeld wird nicht zuletzt auch politisch und regulatorisch viel diskutiert.

Spiegel vom 5.12.2019: „EU-Länder wollen Kryptowährungen vorerst nicht zulassen

Heise vom 13.09.2019: „USA: Ruf nach strengerer Regulierung für Kryptowährungen

Wie oben gezeigt ist aber die Frage nach der Anwendung im wirtschaftlichen Handeln eine ebenso spannende Frage.

BMW hat am 31.3.2020 z.B. als erster großer Autobilhersteller bekanntgegeben, die Blockchain-Technologie für seine Lieferketten (Supply Chains) nutzen zu wollen, um mehr Transparenz in die Beschaffungsketten zu bekommen.

Siehe hierzu Heise vom 31.3.20: „PartChain: BMW will Lieferketten mit Blockchain-Technik nachvollziehen“

Trotz solcher erster Erfolgsmeldungen befindet sich die Blockchain hierbei derzeit noch in einem Forschungsstadium. Einige dieser Foschungsprojekte kann man sich z.B. beim Frauenhofer Institut anschauen:

Trotzdem scheint der Durchbruch noch in weiter Ferne. Nicht zuletzt, da die Skepsis bei vielen noch überwiegt. Was nicht greifbar ist, kann nicht sicher sein.

Das diese These nicht stimmt könnte schnell bewiesen werden, wenn sich ein großer Player plötzlich entscheiden würde die Blockchain-Technologie flächendeckend einzusetzen.

Was wäre z.B. wenn Amazon von heute auf morgen die Kaufabwicklung mit Hilfe der Blockchain machen würde?

Der Markt wäre schlagartig durchdrungen und den Wettbewerbern bliebe nur ein weiteres Mal der Blick hinterher. Es ist also sehr ratsam sich frühzeitig, um die Anwendungsfälle zu informieren und ggf. auch schon im eigenen Unternehmen auszuprobieren.

Fazit

Die Blockchain ist sicherlich eine der spannendsten Technologien derzeit und würde das Handeln von Akteuren innerhalb der Wirtschaft revolutionieren. 

Auch wenn die Technik komplex erscheint und die Anwendungsfälle heute noch nicht klar sind, kann sich dies sehr schnell ändern, sobald sich ein großer Player mit hoher Reichweite der Technologie annimmt.

Für Vermittler und prüfende Berufe bedeutet dies sich mit dem Thema Blockchain auseinanderzusetzen, um am Ende die Chancen zu nutzen und nicht von der Entwicklung überrollt zu werden.

Aber auch alle Unternehmensverantwortlichen sollten sich das Thema genauer anschauen und Lösungen, sobald sie verfügbar sind prüfen und validieren. Schnelligkeit, Effizienz und Kosteneinsparungen, die hohe Sicherheit und Überprüfbarkeit sind gute Argumente für den betrieblichen Einsatz.